Das Motto des Distanzsport :

Angekommen ist Gewonnen - Alle Reiter - Alle Pferde

Lange habe ich nach einem Text gesucht um bei Menschen die noch nie in ihrem Leben etwas vom Distanzreiten gehört haben das Interesse und vor allem die richtige Einstellung für diesen tollen Sport zu wecken.Vielen Dank an Michaela Wilczek das wir ihren tollen Bericht auf unserer Hompage veröffentlichen dürfen.

Marbach - Auf und Ab

Gestern Abend ist Willi wieder in seinem zu Hause angekommen und machte sich nach ein wenig Bewegung gierig über sein Heu her. Er lebt vollkommen im Hier und Jetzt, während bei mir die Gedanken an den Ritt und die zukünftige Planung im Kopf sind.

Sicherlich werde ich diesen Ritt mit dem Team und Tierarzt noch einmal auswerten, aber möchte trotzdem vorab schon einen ersten Bericht teilen.

Zuerst zum Veranstaltungsort an sich: das Gestüt bietet eine schöne Kulisse mit guter Infrastruktur, die Organisation hat Familie Al Samarraie prima gemacht. Verbesserungsmöglichkeiten gibt es immer, aber das ist bei jedem Ritt der Fall.

Am Donnerstag haben wir einen Trainingsritt in die Berge gemacht und uns einen ersten Eindruck verschafft. Die Kombination langer Transport, schwüles Wetter und die Berge für uns Flachländler führten dann am Freitagvormittag zur Team-Entscheidung auf den CEI* über 90km umzunennen. Vor allem bedeutete dies auch, dass die 40km Runde wegfiel, die besonders anspruchsvoll war. Auch weitere Reiter nannten noch einmal um und so war auf den 90km ein größeres Starterfeld unterwegs.

Unsere Rittstrategie: Tempo machen auf den einfachen Streckenabschnitten, um genügend Kapazität zu haben, langsam zu gehen, wo es steil wird. Angepeilt hatten wir eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 12kmh.

Gut gelaunt ging es dann um 7:30 Uhr auf die Strecke. Willi war gut drauf und das Team super vorbereitet. An dieser Stelle noch einmal ein riesiges Dankeschön an Renan, Maike, Sara, Nike und Nicki und an alle, die zu Hause an uns gedacht haben! Ohne euch wäre das Alles nicht möglich.

Der Massenstart verlief trotz vieler Pferde reibungslos und so stellten wir uns gleich dem ersten Anstieg (siehe Foto). Nach ein paar Kilometern folgte dann auch die steilste Stelle - ein kleiner Trampelpfad mit Waldboden und kleinen Felsen. Schnell wurde uns klar: dieser Ritt ist nichts für Warmduscher. Vernünftig ging die gesamte Gruppe im Schritt diesen Anstieg hoch. In der dritten Runde war ich hier dann mit Willi noch einmal alleine unterwegs und mit Herz und flinken Beinen meisterte er diese Stelle auch noch einmal alleine.

Dann folgten die weiteren Kilometer der 30er Runde. Ich setze mich schnell ab, um mein Tempo reiten zu können. Steile Abschnitte gingen wir konsequent im Schritt. Ansonsten tasteten wir uns im Trab vor und nahmen den Galopp erst recht spät und nur auf ebenen Wegen zur Lockerung dazu. Perfekt versorgt von Nike und Nicki war die Runde anspruchsvoll aber schön zu reiten.

Nach 1-2 kleinen extra Kilometern - was nicht an der perfekten Markierung, sondern an der schönen Landschaft lag - erreichten wir das 1. Gate nach einer Rutsch-Partie über die Finish-Wiese im Schritt und trabten dann an den Stallzelten vorbei zum Gate, das auf dem Paradeplatz in einer Senke lag. Die Schwüle in diesem "Kessel" war gleich bemerkbar, machte aber keine Probleme. Renan, Maike und Sara waren ein eingespieltes Team und nach ca. 3 Minuten ging es ins Gate. Alle Werte A und 1, nur die Darmgeräusche waren ein B. Dies ist im Wettkampf bei Willi öfter mal der Fall, d.h.: Essen ist in der Pause besonders wichtig. Durchschnittsgeschwindigkeit: ca. 13,6 kmh.

Willi frisst munter sein Heu und später Hafer, alles sieht gut aus. In der zweiten Runde erwarten uns mehr An- und Abstiege - wir nutzen die Pause optimal zu Regeneration und reiten dann motiviert wieder los.

Vor dem Ritt viel diskutiert: wie hart ist der Boden und wie anspruchsvoll sind die Berge. Mein Erleben: größtenteils reiten wir auf Asphalt und die Schotterwege nehmen wir als guten Boden wahr. Einige Wiesenwege und Randsteifen sind bereitbar, aber dieser Ritt ist ein harter Ritt und wir sind froh, den optimalen Beschlag gewählt zu haben. Die Reiter der DM haben in den Pausen mehrmals ihre Pferde neu beschlagen... Die Berge.... nun ja, wir kennen aus Berlin/Brandenburg eher unsere "Waldautobahnen" - langgezogene, ebene Wege mit leicht zu reitendem Sandboden, an manchen Stellen auch mal tief, aber wir sind sehr verwöhnt. Für uns ist der Ritt definitiv technisch der anspruchsvollste bisher, auch wenn wir bereits in Nörten-Hardenberg erfolgreich geritten sind. Gleichzeitig fühlen wir uns aber auch herausgefordert, diese Strecke zu bezwingen. Willi scheint diese Einstellung zu teilen und ist nicht immer damit einverstanden, dass ich ihn aus Vernunftsgründen ausbremse.

Unsere Vorbereitung beim Lehrgang von Jean Louis Leclerc in Holzerode "Galopptraining am Berg" zahlt sich aus und so trauen wir uns, bergab auch Fahrt aufzunehmen. Dies gibt uns die Zeit, steile lang gezogene Anstiege tatasächlich im Schritt zu reiten, um die Pulswerte nicht zu hoch zu treiben.

Zurück zur 2. Runde: alles läuft gut, ich merke aber, wie sehr das Reiten meinen Kopf fordert. Umso dankbarer bin ich, immer perfekt getrosst zu werden und aufmunternde Worte zu finden. Am letzten Crew Point vor dem Gate komme ich mit 2 weiteren Reitern gemeinsam an. Auf den letzten Kilometern haben ich aber bereits bemerkt, dass Willi sich ein wenig fest macht: er muss mal. Nach trinken und kühlen geben wir ihm also in wenig extra Zeit. Aber als die Konkurrenz weiter reitet, kann der Herr sich nicht so recht entspannen und wir müssen unverrichteter Dinge weiter reiten.

Im 2. Gate angekommen dann gleich der Hinweis: er muss sich erst lösen.... da wir auf dem schönen Reitplatzboden kein Stroh auslegen können, dauert es länger als sonst, dafür brauchen wir dann fast nicht mehr kühlen... der Puls ist bei 54. So gehen wir dann auch zu den Tierärzten und alles ist prima, nur die Darmgeräusche sind wieder ein B. Diese sehr schwierige Runde sind wir im Schnitt mit ca. 9.7 kmh gegangen.

Nach Auftanken und Fresspause für Willi geht es dann munter auf die Dritte Runde - etwas später als erlaubt. Die 3. Runde ist "leicht" zu reiten. Teilweise führt sie über Passagen der 1. Runde. Und ich merke bereits einen Effekt in meinem Kopf. Was morgens von mir noch als "steil" wahrgenommen wurde, scheint jetzt perfekt für einen schönen Trab bergab. Schotterwege mit lockerem Kies nehmen wir als "fluffige" Galoppstrecke wahr. Whow - und der Große kommt damit prima zurecht und geht munter vorwärts. Kritische Stellen wieder im Schritt gemeistert und weiter geht's.

Gemütlich reiten wir die letzten Meter in das Gate - die Crew wartet schon. Als ich absteige schaue ich in ein Pferdegesicht, dass mir nicht so recht gefallen mag. Und die Pulswerte bestätigen dies. Er hängt im Puls zwischen 70-80 fest, kommt durch das Kühlen auf die 64 und geht dann wieder hoch. Ich bin verunsichert: zu schnell geritten? Kann nicht sein... die Rundenzeit sagt etwas anderes. Muskuläres Problem vom bergauf/bergab? Nein, alles locker. Ein Rätsel - ich werde unruhig und stelle mich etwas abseits und lasse das erfahrene Team arbeiten. Kühlen, Schritt führen, gut zureden, Schnuffeln. Ab und an ein Blickwechsel mit dem Team: Weiterreiten ausgeschlossen, egal ob wir ein OK für die nä Runde bekommen sollten. Auf dem Weg zum Vet-Check noch einmal kühlen, aber wir wissen bereits, dass der Ritt hier für uns zu Ende ist.

Der Puls hängt immer noch, wir werden disqualifiziert oder wie es so schön heisst "können uns nicht für die nächste Runde qualifizieren." Wir werden direkt zum Treating Vet geschickt und Martin Grell erwartet uns bereits. Wir nehmen sofort Blut ab und Martin untersucht Willi gründlich. Schleimhäute sehen nicht gut aus, sonst alles ok. Auf dem Paddock ist Willi normal: frisst, trinkt, äppelt, pinkelt. Schaut sich die vorbeikommenden Pferde an. Nach ca. 30 Minuten ist der Puls wieder ok, Martin kommt noch einmal vorbei.

Wir beobachten Willi engmaschig und wundern uns. Er sieht gut aus. Jetzt heisst es, noch einmal einen Schritt zurück gehen und Ursachenforschung betreiben. Der Stoffwechsel scheint ein Problem zu haben. Und dies scheint sich erst in der Leistung zu offenbaren. Natürlich erfolgt im Team gleich eine Auswertung: haben wir Fehler gemacht? Anforderungen zu hoch? Ritttaktik, Trossen, Vorbereitung - alles wird noch einmal besprochen und ausgewertet. Aber auch dies ist wichtig und nur wenn wir uns Herausforderungen stellen, können wir uns weiter entwickeln.

Am Ende bleibt ein großes Dankeschön. Zu aller erst an dieses leistungsbreite Pferd mit dem großen Herzen, dass mich tapfer über die anspruchsvolle Strecke getragen hat. Beine, Muskulatur alles topp. Und immer mit dem Kopf dabei. Danke auch an mein Team, für das Trossen, aber auch für den Teamgeist, der einen auch trägt, wenn wir nicht ins Ziel kommen.

Erfahrung ist der beste Lehrmeister. Nur das Schulgeld ist teuer.
− Thomas Carlyle

Was bleibt? Die Frage, woran der aktuelle Leistungsabfall nach km 60 liegt. Diese werden wir nun versuchen mit unseren Wegbegleitern zu lösen. Aber auch die Erkenntnis, dass wir mit einer technisch anspruchsvollen Strecke an sich zurecht kommen. Und dies eröffnet auch ganz neue Möglichkeiten.

Mein Respekt an alle, die diese Strecke in die Wertung geritten haben und einen herzlichen Glückwunsch an die Deutschen Meister!

Vielen Dank für das Foto an www.horse-endurance.de

 

 

Startklar machen nach der Pause.
Startklar machen nach der Pause.
Rittbesprechung
Rittbesprechung
Neeeiiinn !! Nicht das  kalte Stethoskop an meinen Bauch !
Neeeiiinn !! Nicht das kalte Stethoskop an meinen Bauch !

Schmusestunde nach getaner Arbeit

 

 

Little Hill

Endurance Team 

2017

 Platz 7

 

 

GF Maschuk         Petra Hutterer

Höwings Susann Christina Hutterer

Westmann          Martin Jelitto

Jacqueline Jelitto Beyhira

Steffie Mückel       Mira

Martina Huber Maloum